Die Sondermarke "Huldrych Zwingli – 500 Jahre Zürcher und oberdeutsche Reformation" ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen und der Schweizer Post.

Philateliebrief „Huldrych Zwingli – 500 Jahre Zürcher und oberdeutsche Reformation"Philateliebrief "Huldrych Zwingli – 500 Jahre Zürcher und oberdeutsche Reformation", je 1 Pärchen der Gemeinschaftsmarke der Deutschen und Schweizerischen Post.

Gilt in der Deutschschweiz Ulrich Zwingli als der Reformator schlechthin, fristete der reformierte Kirchenvater in Deutschland bislang stets ein Dasein im Schatten Martin Luthers. Am Großmünster in Zürich hatte der Theologe am 1. Januar 1519 das Amt des Leutpriesters übernommen. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass die Deutsche Post ihn nun mit einer Briefmarke ehrt. Sie zeigt den Reformator in dem bekannten Porträt des Malers und Zwingli-Zeitgenossen Hans Asper.


Dazu steht in großen Lettern Zwinglis wohl berühmtester Ausspruch geschrieben, der auch sein Lebensmotto war: "Tut um Gottes willen etwas Tapferes!" Gestalter aus der Schweiz und Deutschland bewarben sich um den Auftrag, am Ende machte die Berliner Agentur Fernkopie das Rennen. Für ihren Inhaber und Grafiker, Matthias Wittig, war der Schweizer Reformator bei der Gestaltung eine Herausforderung: "Auf den überlieferten Porträts kommt Zwingli nicht unbedingt als mutiger Mann rüber." Er wirke eher introvertiert, weshalb Wittig das Porträt mit Zwinglis markigen Worten ergänzte. In ihrem Entscheid schrieb die Jury, dass seine Umsetzung "modern und zeitgenössisch" sei und auch das gewählte Zitat gut zur Gegenwart passe.
Die Idee zur Briefmarke stammt von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie machte von ihrem jährlichen Recht Gebrauch, beim Bundesfinanzministerium eine kirchliche Briefmarke vorzuschlagen. Dieses besitzt die Hoheit über die Herausgabe von Wertzeichen.
In den vergangenen Jahren erschienen so bereits Marken mit Motiven der Reformatoren Philipp Melanchthon, Johannes Calvin und Martin Luther. Mit der neuen Zwingli-Marke will die EKD den Zürcher Reformator für seine Bedeutung in der Schweiz und im süddeutschen Raum würdigen. Doch auch für die evangelischreformierten Kirchengemeinden Norddeutschlands war Zwingli bedeutsam.
In der Schweiz wird das Wertzeichen die 85-Rappen-Frankatur und in Deutschland die 150-Cent-Frankatur tragen. Sie kann ab dem 2. Mai in den Postfilialen gekauft werden, die Auflage ist limitiert.
Nachtrag:
Von 1802 bis 1828 war der Rationalist Ernst Lebrecht Friedrich Reupsch Pastor unserer Kirchengemeinde. Für ihn war nur ein Zwinglianer, also ein Anhänger der Lehre des Zürcher Reformators Ulrich Zwingli (1484-1531) ein "wahrer Reformirter".
Denn die Zwinglianer hatten nie die Beschlüsse der Dordrechter Synode (Niederlande) mit der problematischen Lehre von der doppelten Prädestination unterzeichnet.
Damit distanzierte sich Reupsch ausdrücklich von der Theologie der französisch-reformierten Schwestergemeinde in Celle, deren bedeutendster Theologe der Genfer Reformator Johannes Calvin (1509-1564) war, wie auch von dem 1699 von Herzog Georg Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg erlassenen „Religions-Exercitium“ für die Französisch- und Deutsch-reformierte Gemeinde Celle.
Dieses forderte ausdrücklich die Beachtung der Beschlüsse der Dordrechter Synode ein. Hugenotten waren laut Reupsch folglich keine wahren Reformierten, was aus der Sicht der heutigen Theologie natürlich eine sowohl historisch wie auch theologisch falsche Sichtweise ist.